Abschiebungen während der Coronapandemie aussetzen

Keine Gefährdung der betroffenen und beteiligten Menschen riskieren.

Das Diakonische Werk Rheinhessen erneuert die Forderung nach einem Abschiebungsmoratorium unter Verweis auf einen konkreten Fall aus der Abschiebungshaft in Ingelheim. Von dort wurde Anfang Januar 2021 eine junge Frau aus Afghanistan nach Griechenland abgeschoben.

„Während wir alle aufgefordert werden, zu Hause zu bleiben und unsere Kontakte zu minimieren, schieben Bund und Länder weiterhin in Krisengebiete und auch in europäische Staaten wie Griechenland und Italien ab,“ so Klaus Engelberty, Leiter der Diakonie Rheinhessen. Er verweist auf die 26-jährige Afghanin Frau F., die am 7. Januar 2021 nach Griechenland abgeschoben wurde. Sie saß seit 24.11.2020 in Abschiebungshaft in Ingelheim. Verantwortlich für die Abschiebung war die Zentrale Ausländerbehörde Unna, die die junge Frau in Ingelheim untergebracht hatte. Alle Bemühungen, diese Abschiebung zu verhindern, blieben erfolglos. 

Frau F. floh mit ihrer jüngeren Schwester von Afghanistan zunächst bis Griechenland, musste dort in einem Camp leben, wo ihre Sicherheit noch nicht mal durch die Sicherheitsleute gewährleistet werden konnte, die sanitären Anlagen katastrophal und die medizinische Versorgung nicht vorhanden war. Dort kam es zu Übergriffen, denen sie als alleinreisende, junge Frauen schutzlos ausgeliefert waren. Gemeinsam gelang es den beiden nach Deutschland zu kommen. Hier lebt eine weitere Schwester, der bereits ein Aufenthaltsrecht zuerkannt wurde. Während die mitgereiste jüngere Schwester hier ebenfalls einen Aufenthaltsstatus erhielt, wurde Frau F. nach Griechenland abgeschoben, weil sie dort bereits eine Flüchtlingsanerkennung hatte. Und das, obwohl sich ihre ganze Familie in Deutschland befindet.
 „Abschiebungen zwingen Menschen gegen ihren Willen in Länder zurück, in denen ihnen Gewalt, Verfolgung, existentielle Notlagen und Perspektivlosigkeit drohen.

Es ist ein unhaltbarerer Zustand, dass trotz der aktuell weltweit grassierenden Pandemie weiterhin Menschen abgeschoben werden, empört sich Denise Honsberg-Schreiber, die seit Mai 2019 das unabhängige Beratungsprojekt in der Abschiebungshaft in Ingelheim leitet und bei der Diakonie Rheinhessen angestellt ist. Besonders bei Abschiebungen nach Griechenland werde die ganze Absurdität deutlich. Sie ergänzt: „Während wir einerseits Flüchtlinge aus den griechischen Lagern und auch vom Festland aufnehmen, weil die Lebensbedingungen dort katastrophal sind, schicken wir andererseits Flüchtlinge, die es nach Deutschland geschafft haben, wieder zurück. Das ist völlig widersinnig.“

 


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