Leiten, beraten, begleiten, sensibilisieren – Gemeinsam mehr erreichen

Niko Blug ist seit Jahresbeginn Regionalleiter in Mainz und Fachbereichsleitung für die Arbeitsgebiete Suchtberatung sowie Schuldner- und Insolvenzberatung für das Diakonische Werk Rheinhessen. Wir waren neugierig und haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Niko Blug

Niko Blug

Für welche Themen bist du zuständig? 
Als Regionalleiter für das Diakonische Werk Rheinhessen bin ich verantwortlicher Ansprechpartner für alle diakonischen Angebote im Stadtgebiet Mainz. Das sind unsere beiden Gemeinwesen-Einrichtungen, der Katzenbergtreff und das Mehrgenerationenhaus in Mainz-Finthen, sowie die Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung, das Ehrenamtsprojekt „MEM“ in Zusammenarbeit mit der Stadt Mainz und natürlich die Suchtberatung und Verwaltung in der Kaiserstraße 29. Glücklicherweise habe ich ein tolles Team von Mitarbeitenden, welche die Standorte und Arbeitsgebiete weitestgehend eigenverantwortlich managen und die Angebote gemeinsam mit Honorarkräften und Ehrenamtlichen dialoggruppen- und standortbezogen umsetzen. 

Mit der Fachbereichsleitung für Suchtberatung und Schuldner- und Insolvenzberatung für das gesamte Diakonische Werk Rheinhessen an unseren Standorten im Landkreis Mainz-Bingen, in Alzey und natürlich auch in Mainz, habe ich zusätzlich die Chance auch ganz praxisnah wirken zu können. Damit der Bezug zu Praxis nicht bei der Leitung aufhört, begleite ich am Standort in der Kaiserstraße 29 gemeinsam mit meinen Teamkolleg*innen aus der Suchtberatung Menschen auf dem Weg in ein suchtfreies Leben. 

Zu welchen Themen/Problemlagen berätst du? Welche Hilfestellungen bietest du an? Wann und wie bist du erreichbar?
Gemeinsam mit meinem Team der Suchtberatung berate und begleite ich erwachsene Betroffene, Angehörige und Multiplikatoren aus dem Stadtgebiet Mainz in Suchtfragen. In erster Linie zu legalen stoffgebunden Suchtformen, wie Alkohol, Nikotin und Medikamenten. Zudem sind Menschen aus der verbandsfreien Gemeinde Budenheim ohne Altersbegrenzung auch zum Thema illegalen Substanzkonsums herzlich willkommen.  Unsere Angebote reichen von der allgemeinen psychosozialen Beratung, über die Vorbereitung für einen stationären oder ambulanten Therapieaufenthalt, bis hin zu einer Begleitung im Rahmen einer Nachsorge. Dabei beraten wir in unterschiedlichen Settings, ergebnisoffen, kostenfrei, anonym und unterliegen natürlich der Schweigepflicht. All das geschieht sowohl face-to-face, als auch bedingt durch die Corona Pandemie vermehrt über Telefon und digitale, datengeschützte Videotools. Angebote, welche zeitgemäße und vor allem praktikable Zugangswege für unsere Ratsuchenden ermöglichen. Ein guter Trend, der durch Corona endlich auch im Suchthilfesystem Einzug gehalten hat und nicht mehr wegzudenken ist.  

Neu seit 2020 ist unsere offene Sprechstunde im Beratungszentrum Mainz. Immer mittwochs von 10:00 – 12:00 Uhr können Interessierte und Ratsuchende ohne Voranmeldung Kontakt aufnehmen und erhalten direkt ein erstes Gespräch mit einer/m meiner Kolleg*innen oder mit mir.

Was hast du vorher gemacht? Welche Qualifikationen bringst du mit?
Nach einer Ausbildung zum Steinmetz habe ich im Jahr 2003 als Sozialpädagoge an der Fachhochschule Köln mein Diplom erhalten und bin in die nächste Domstadt gezogen. Nach ersten Jahren in der Jugendarbeit, merkte ich schnell, dass mich das Thema Sucht und vor allem die Suchtprävention begeistert. 2009 folgte der Wechsel zum Diakonischen Werk nach Oppenheim. Hier durfte ich als regionale Fachstelle für Suchtprävention vielerlei fachliche Erfahrungen sammeln. Darüber hinaus bot mir das Diakonische Werk die Möglichkeit mich u.a. zum zertifizierten Fundraiser, Rauchfrei-Trainer und risikopädagogischen Begleiter fortzubilden. Neben der Fachberatung von Lehrkräften, Elternarbeit und Workshops mit Jugendlichen sowie Erwachsenen hatte damals bereits die Netzwerkarbeit auf regionaler und überregionaler Ebene einen hohen Stellenwert. Ende 2018 kam die Anfrage des Blauen Kreuzes in Deutschland e.V., einem bundesweit tätigen Suchtselbsthilfeverband, für den ich als Referent für Suchtprävention unter anderem die Digitalisierung der Suchtprävention weiterentwickeln durfte. Nun mit fast 44 Jahren wurde es Zeit für den nächsten Schritt, der mich zurück in die Diakonie Rheinhessen führte. In einem teilweise bekannten Arbeitsgebiet mit neuen Herausforderungen und vielen Chancen.

Blick in die Zukunft - Auf welche Aufgaben freust du dich? Aktuelle Herausforderungen?
Die Digitalisierung der Suchtkrankenhilfe ist eine der größten strategischen Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Hier gab es bedingt durch Corona eine tolle Dynamik. Wir sind auf einem guten Weg. Aber wir sind diesbezüglich noch lange nicht am Ziel. Es braucht gute, finanzierbare und vor allem praxisnahe Tools und Konzepte, die den Mitarbeitenden und Ratsuchenden wirklich helfen. Ein Zurück zum ausschließlich Analogen wird es nicht mehr geben. Es gilt ein gutes Maß zu finden, das Begegnung ermöglicht und Effizienz zulässt. Deshalb planen wir neben all der Digitalisierung auch eine Präsenz-Nachsorgegruppe für Mainz. Hier werden sich Menschen nach erfolgreicher Therapie begegnen und mit Begleitung von Fachkräften gemeinsam an ihrer dauerhaften Stabilität und Abstinenz arbeiten. Wichtig ist und bleibt natürlich auch die Aufgabe einer stabilen Finanzierung der Sozialen Arbeit vor Ort. Eine Aufgabe, die alle sozialen Institutionen jedes Jahr aufs Neue an die Grenzen der Belastbarkeit bringt. Gleichzeitig prognostiziert die Fachwelt ein Nachfrageanstieg an sozialer Unterstützung bei Mitbürger*innen. Nicht nur bedingt durch Corona, aber eben auch hier, beschleunigt sich die Gefahrenlage für viele. Besonders in meinen Fachbereichen, der Suchtberatung sowie der Schuldner- und Insolvenzberatung, rollt eine Welle auf uns zu, die wir als Sozialstaat nur gemeinsam mit Kreativität, Flexibilität und eben auch besseren Finanzierungsmöglichkeiten bewältigen können. Hier müssen wir alle raus aus unserer „Komfortzone“ und mit Bedacht und auf der Grundlage von Bewährtem eben auch neue, risikoreichere Wege gehen. 

Was ist dir persönlich bzgl. deiner Arbeit mit den Kollegen und innerhalb der Beratung wichtig?
Ich wünsche mir ein offenes, wertschätzendes Miteinander im Sinne der Kollegialität und zum Wohle unserer Ratsuchenden. Mitarbeitende und Menschen, die in unsere Einrichtungen kommen, sollen sich wohl und vor allem willkommen fühlen und natürlich zeitgemäß und kompetent beraten werden. Ich biete Raum für konstruktiven Dialog, muss aber gestehen, dass ich kein Freund stundenlanger Gespräche, Online-Meetings und nicht zielführender Diskussionen bin. Mit neuen Arbeitsmodellen, wie der Möglichkeit des mobilen Arbeitens, bieten wir bisher ungenutzte Chancen, Familie, Freizeit und Beruf besser miteinander in Einklang zu bringen. Dabei müssen wir alle, Leitung und Mitarbeitende beobachten, lernen und uns ständig weiterentwickeln. Was wir heute machen, muss morgen hinterfragt werden dürfen. Das wird eine spannende Zeit für uns alle. 
Ich freu mich drauf. 


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Niko Blug
Bereichsleitung Suchtberatung/Suchtprävention und Schuldnerberatung
Regionalleitung Mainz

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